Coffee ABC - J is for Jute (Bags)
Wenn wir an Kaffee denken, tauchen verschiedene Bilder vor unserem inneren Auge auf: Ein leckeres Getränk in unseren Händen frühmorgens, ein Kaffeefarmer, der eine Handvoll rote Kaffeekirschen in die Kamera hält und auch farbig bedruckte Kaffeesäcke mit Rohkaffee.
Schauen wir doch mal genauer hin bei den Kaffeesäcken, die typischerweise aus Jute hergestellt sind.
Grünkaffee (vor allem im Specialty Coffee Segment) wird üblicherweise in "kleinen" Einheiten von 50-70kg, abgefüllt in einen Jutesack, gehandelt. Ausserhalb dieses "Standard-Masses" werden grössere Mengen in Tonnage-Säcken mit einer Kapazität von 1'000kg gehandelt und gewisse sehr teure, sehr kleine oder sehr exklusive Lots in 10-30kg Säcken oder vakuum-verpackten Boxen. Wir schauen nun aber bei den "Standard" Specialty Coffee Einheiten genauer hin.
In der Vergangenheit wurde der Grünkaffee lange lose in Jutesäcke abgepackt, was zuverlässigen Schutz des Inhalts, sowie einfache Markierungsmöglichkeiten und gutes Handling bot. Zudem sind die Säcke kostengünstig und robust. Über die letzten Jahre hat es einige Verbesserungen und Anpassungen gegeben, aber im Grundsatz haben sich die Jutesäcke bewährt.
Fangen wir bei der Essenz an, der Faser. Die Jute ist eine Faser, welche aus dem Stiel der Corchorus capsularis Pflanze gewonnen und in robuste Fäden gesponnen wird. Angebaut wird die Corchorus capsularis in Südostasien, wobei Indien und Bangladesch die Hauptproduzenten sind. Und zwar bereits schon sehr, sehr lange: Es gibt Funde, welche auf die Verwendung der Faser für Textilien seit mehreren Jahrtausenden hinweisen. Zweifelsfrei belegt ist jedoch, dass die Produktion und der Handel mit Jutetextilien seit ein paar hundert Jahren ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region sind.
Auch wenn die Jutefaser für Kleider-Textilien genutzt werden kann, so sprechen ihre rauhen und robusten Eigenschaften eher für die Verwendung in Schnüren, Seilen und Säcken, welche schwere Tragkapazitäten haben. Sprich die Jute eignet sich hervorragend für das Verpacken, den Transport und die Lagerung von Rohkaffee in Einheiten von mehr als 50kg. Seit der Zeit vor luftdichtem Plastik und Vakuum-Verpackungen - also seit der Kolonialzeit des 18. Jahrhunderts - gibt es diverse Gründe, weshalb Kaffee in Jutesäcken gehandelt wurde.
Robustheit: Wie bereits erwähnt ist die Jute ziemlich reissfest und so können schwere Lasten in einem Jutesack transportiert werden, ohne dass der Stoff sich verformt, zerreisst oder auseinanderfällt. Die manchmal etwas grobere Webstruktur erlaubt es auch, dem Sack eine Stichprobe zu entnehmen, ohne dass der Stoff allzu stark beschädigt wird. Das Gewebe wird temporär zu einem Loch ausgedehnt, setzt sich aber mit der Zeit wieder, sodass lediglich ein paar Bohnen verloren gehen.
Flexibilität: Der Jutesack hat eine gewisse Verformbarkeit und passt sich dem Inhalt, aber auch der Stand- oder Liegefläche an. Flach gelagert lassen sich mehrere Säcke mit Rohkaffee platzsparend und einigermassen stabil aufeinanderstapeln. Man kann einen Jutesack aber auch aufrecht stellen, aufmachen und ihn so offen stehenlassen, ohne dass er gleich umfällt. So kann man einen Sack in Gebrauch lassen, ohne ihn fix wiederverschliessen zu müssen.
Dank der Formbarkeit der Säcke ist es auch gut möglich, Jutesäcke an den Ecken mit den Händen zu greifen, um sie aufzuheben oder rumzuschleppen.
Verfügbarkeit & Preis: Jutesäcke sind aufgrund des etablierten Marktes zuverlässig verfügbar und sehr kosteneffizient (sprich: günstig). Was jedoch mit Aufwand, Kosten und Zeit verbunden ist die Tatsache, dass die allermeisten Kaffee produzierenden Länder die Jutesäcke erst von Indien oder Bangladesch importieren müssen.
Identifizierbarkeit / Individualisierung: Jutesäcke können im Siebdruckverfahren oder mit Hilfe von Schablonen einfach bedruckt werden. Um die einzelnen Kaffee Lots entlang der Logistik- und Wertschöpfungskette auseinanderzuhalten, ist es wichtig, dass der Inhalt auf den Kaffeesäcken einfach zu identifizieren ist. In der Regel sind Ursprungsland, Region, Produzent/Exporteur sowie Qualität und Lot Nummer sowie oft auch das Erntejahr aufgeführt.
Gewisse Origins haben auch Standard-Fäden in die Säcke eingewoben, was einem erlaubt, den Sack auf den ersten Blick als Kaffee aus einem gewissen Land zu identifizieren. So hat zum Beispiel Kaffee aus Brasilien einen grün/gelben Streifen quer über den Sack eingewoben und Kaffee aus Kolumbien einen ebensolchen mit pink / grün / pink von oben nach unten.
Einige Röstereien lassen auch ihr Logo auf die Kaffeesäcke, welche sie einkaufen, aufdrucken und manche Produzenten bzw. Exporteure drucken aufwändige und schöne Sujets auf. So werden gewisse Jutesäcke zu eigentlichen Sammlerstücken.
Jute bietet also sehr viele Vorteile, wenn es um den Umschlag von Rohkaffee geht. Über die Jahre - und mit dem Aufkommen von Specialty Coffee - ist aber das Bedürfnis entstanden, die minutiöse Anbau- und Aufbereitungsarbeit entlang der Wertschöpfungskette zu bewahren und die Verpackung zu verbessern. Als einfachstes und effektivstes Upgrade zum einfachen Jutesack wurde der "Grain Pro" Liner - ein Innensack aus Kunststoff - vor einigen Jahren ins Leben gerufen. "Grain Pro" ist nur einer von mehreren Herstellern dieser Innensäcke, hat sich aber als Namensgeber etabliert. Dieser Kunststoff-Innensack hält allfälligen Staub, Feuchtigkeit und Gerüche fern und verhindert gleichzeitig ein zu starkes Austrocknen des Grünkaffees.
Diese Kunststoff-Innensäcke sind eine einfache, aber wirkungsvolle Massnahme, um die Qualität zu erhalten. Sie erfordert weder zusätzliche Maschinen noch ändert sie die Abläufe in den Aufbereitungs- und Abfüllanlagen. Es ist aber ein zusätzlicher - wenn auch kleiner - finanzieller Aufwand, weshalb längst nicht aller Kaffee mit Grain Pro verpackt wird.
Als Goldstandard der Rohkaffee-Verpackungen gelten die sogenannten Vac-Pacs, vakuum verpackte Einheiten von meist 15-17.5kg, welche dann in 30 oder 35kg Kartons gepackt werden. Effektive Vakuumverpackungen erfordern viel zusätzliches Material und Equipment sowie einen anderen, langsameren, Arbeitsablauf, weshalb Anlagen, die nicht explizit darauf ausgelegt sind, diesen Teil auslagern müssen (was einen zusätzlichen Aufwand bedeutet). Dies ist auch der Grund, weshalb sich die Vac Pacs nicht als weit verbreiteten Standard durchgesetzt haben, die Kunststoff-Innensäcke jedoch schon.
Apropos Standard... bei den Grössen der Jutesäcke gibt es dies nicht. Abhängig vom Herkunftsland sind in einem Jutesack 59 oder 60kg (Brasilien), 60kg (Afrika), 69kg (Zentralamerika) oder 70kg (Kolumbien). Und davon gibt es manchmal noch halbe Säcke von 30 oder 35kg und bei den ganz teuren Kaffees sind die Vac Pacs manchmal 10 bis 17.5kg.
Zu guter Letzt kommen wir noch zur Frage, welche uns im Zusammenhang mit den Jutesäcken am häufigsten gestellt wird: Was macht ihr eigentlich mit den gebrauchten Säcken? Schickt ihr sie zurück in die Ursprungsländer?
Die Säcke schicken wir nicht wieder zurück. Auch wenn das Wiederverwenden stark mit dem Eco-Chic der Jute verbunden ist, ist es kaum realistisch, dass alle Röstereien Jutesäcke zurück in den Ursprung schicken, wo sich Produzenten dann darauf verlassen können, dass sie genügend unversehrte Säcke erhalten und keine neuen Säcke anschaffen müssen. Zudem müssten die Säcke wieder umge- oder für den neuen Inhalt überdruckt werden was wohl auch mehr Verwirrung stiften und zu Verwechslungen führen würde. Da nehmen die Produzenten das Heft lieber in die eigene Hand, statt sich abhängig zu machen.
Wir werfen die Säcke aber nicht sofort weg, sondern geben sie gerne an Interessierte ab, welche die Säcke für Bastelprojekte, für den Garten, Sackhüpfen oder sonst was brauchen möchten. Von Zeit zu Zeit müssen wir sie aber doch entsorgen, wenn sich zu viele angesammelt haben.
Falls du eine gute Idee hast für den Wiedergebrauch geben wir dir gerne Jutesäcke ab. Setzt dich einfach mit uns in Verbindung!


